Dämonenkabinett

oT (blauer Affe)
Gouache / Papier
48 x 36 cm
Drei Tiergestalten in unterschiedlichen miteinander kontrastierenden Farben bevölkern diese signierte Arbeit von Senta Minzlaff. Das Hauptaugenmerk gilt einem kleinen blauen Affe, der über einem pink- und orangenfarbenen Bären mit gebleckten Zähnen herumturnt. Ganz oben windet sich ein schlangenhaftes Tier, dessen roter Körper die gesamte Szene wie ein Geäst umspannt. Am linken Bildrand ist auch noch ein nicht näher definierbares, insektenhaftes Wesen zu sehen. Dieses Miteinander verschiedener wilder Tiere, das mit dichten Pinselstrichen festgehalten ist, entstammt der freifließenden künstlerischen Fantasie von Senta Minzlaff in Kombination mit ihren umfassenden Kenntnissen in der Tiermalerei.

oT (Ritual)
Gouache / Papier
48 x 35 cm
Auf einem Podest sitzt eine Person im Schneidersitz, sie erstrahlt in Hellgelb. Zu ihren Füßen zwei Hühner oder Enten, der Vogel links legt Kopf und Hals auf dem Podest ab. Rund um den Hockenden gruppieren sich ein Mann mit zylinderartigen Hut und zwei weitere kaum näher zu definierende Gestalten. Die Farben der drei sind Rot, Pink und Blau. Die gesamte mysteriöse Szene wirkt von einem Feuerschein erhellt mit dem Fokus auf die hockende Person. Diese hält etwas in den Händen. In dem signierten Bild verschmelzen Fantasie, Inspiration und womöglich Erlebtes. So lässt sich ebenso sehr an von Minzlaff künstlerisch inszenierte ethnologische Artefakte denken, als auch an ein auf den Abenteuerreisen gesehenes schamanisches Ritual.

oT (Kultfiguren)
Mischtechnik / Papier
48 x 36 cm
Ein skurriles Wesen mit einem Trollgesicht hockt auf einem Tapir. Es trägt einen Kasten auf dem Rücken, der Kopf ist mit einer Art Helm geschmückt. Im Hintergrund wachen weitere geheimnisvolle Gestalten. Das Motiv in den samtenen Farben Pink, Gelb und Rot mit Türkis ist von den Studien im ehmlg. "Völkerkundemuseum" in Berlin-Dahlem inspiriert, die Senta Minzlaff in den verschiedenen Abteilungen aussereuropäischer Kulturen betrieben hat. Die süd- und mittelamerikanischen praekolumbianischen Artefakte hatten es ihr besonders angetan. Zu ihnen schuf sie magische Bilder, in denen realistische Vorgaben und Fantasie miteinander verschmolzen.

oT (Vogeldämon)
Mischtechnik / Papier
56 x 42 cm
Vor einem Sonnenornament mit einem blauem, gelben und braunem Ring spielt sich eine geisterhafte Szene ab. Ein Vogelwesen reckt seinen scharfen gelben Schnabel nach links und erhebt die linke grünliche Kralle. Im Schnabel trägt sie zwei Bänder, an denen zwei kleine puppenähnliche Amulette aufgehängt sind. Die Kralle greift in Richtung der Figürchen. Diese ähneln Artefakten des traditionellen Totenkults aus Mexiko, den Senta Minzalff auf ihren Reisen nach Mittel- und Südamerika kennengelernt haben dürfte. Das und ihre intensiven Studien der praekolumbianischen Kunst im ehem. "Völkerkundemuseum" in Berlin-Dahlem mündeten in zahlreichen fantasiesprühenden Motiven zur Kult- und Zauberwelt der Mayas und anderer anderer untergegangener altamerikanischer Gemeinschaften.

oT (Tiermasken)
Mischtechnik / Papier
40 x 30 cm
Das signierte Gemälde wird von vier maskenartigen Tierköpfen in fantastischer Farbigkeit beherrscht: Unten ein hell grüngelbes Nagetier (ein Chinchilla) mit gebleckten, spitzen Zähnen, rechts in der Mitte ein gelbes Mufflon, darüber als oberer Abschluss ein dunkel-türkisblauer Affe und eine Echse in Hellblau, Türkis und Rot. Eine derartige, der südamerikanischen Tierwelt entnommene Kombination lässt sich als Relief praekolumbianischer Tempel bzw. als Ornament in den Maya-Schriften wiederfinden. Nachweisbar sind das die Inspirationsquellen von Senta Minzlaff, die sie auf ihren Abenteuerreisen nach Mexiko und Brasilien 1967, 1969 und 1973 ausschöpfte.

oT (Opferritual)
Gouache / Papier
48 x 36 cm
Drei Wesen mit maskenhaften Gesichtern in Blau, Gelb und Graubraun und eine Figur im Profil mit roten Behältern auf dem Rücken umringen eine rätselhafte Szene. Rechts im Vordergrund führt eine nackte, knieende Gestalt eine Schale an ihre Lippen, links verdreht ein hundeähnliches Tier seinen Menschenkopf nach oben, wie es anatomisch gar nicht möglich ist. In der Mitte lodert womöglich eine Stichflamme in Gelb, Blau und Grün. Vergleichbar surreale Zusammenkünfte findet man in den alten Manuskripten der Maya, wo Göttergestalten ihre Rituale vollziehen. Solche könnten Senta Minzlaff auf ihren Reisen nach Mexiko und Brasilien studiert und daraus ihre halluzinatorisch-fantastischen Motive geschöpft haben.

oT (Geister)
Gouache / Papier
40 x 30 cm
Fünf langgestreckte Gestalten in Schwarz und Blau gruppieren sich vor einem flammend roten Hintergrund. Die elegant geformten, identischen Figuren gleichen afrikanischen Holzskulpturen, und vielleicht stammen sie aus der ethnologischen Sammlung des ehemlg. "Völkerkundemuseums" in Berlin-Dahlem, das Senta Minzlaff vielfach zu Studienzwecken aufgesucht hat. Das Szenario, das sich der Künstlerin aufgetan hat, ist geheimnisvoll und geisterhaft. Die Wesen scheinen in einem Feuer- bzw. Lichtmeer voranzuschreiten. Verschiedentlich hat Senta Minzlaff die Spiegelung von Artefakten in den Glasvitrinen des Museums in Szene gesetzt. Das lässt sich auch für diese Arbeit annehmen, die die Einladungskarte der Einzelausstellung der Malerin 1966 schmückte.

oT (Regentanz)
Gouache / Papier
66 x 49 cm
Eine schmale Figur in knalligem Blau steht mitten im Bild. Sie hat die Arme erhoben, auf dem Kopf eine Mütze bzw. Kapuze. Im Hintergrund entfalten sich blütenähnliche Formen in Grün, Gelb und Türkis, die an den Botanischen Garten erinnern, dort wo Senta Minzlaff ausgiebig gemalt und gezeichnet hat. In der Tat lassen sich auch die Hochbeete aus den Tropenhäusern erkennen, vor dem sich die Frauengestalt befindet und sich vor der tropischen Feuchtigkeit schützt. Die Frau hat etwas Surreales und scheint eine Art magischen "Regentanz" aufzuführen.

oT (Katzengott)
Gouache / Papier
44 x 62 cm
Ein zähnebleckendes Wächtertier in Gestalt einer roten Katze mit ausgefahrenen Krallen, gelben Augen und einer Schlange auf dem Rücken füllt das Bild aus. Das Tier erinnert die aztekische Kultfigur aus der Ethnologischen Sammlung, die Senta Minzlaff auf einem anderen Blatt festgehalten hat. Hier erscheint sie in Abwandlung und umgeben von Fantasiegesichtern und dicht aufgetragenen Farbstrukturen in Rot, Gelb, Orange und Blau. Eine kräftige schwarze Kontur verleiht dem Fantasietier an Präsenz und Kraft, einem Markenzeichen von Minzlaffs Gemälden.

oT (tanzender Dämon)
Monotypie / Papier
40 x 25 cm
Ein Dämon tanzt vor einer Wand, die sich in kleinteilige Ornamente, Muster und tier- und maskenähnliche Strukturen aufgliedert. Das Wesen bleckt seine Zähne, erhebt die Krallen und scheint vorwärtszuspringen. In den Schwarzweißmonotypien entwickelte Senta Minzlaff ihren fantastischen Motivschatz mit praekolumbianischer Prägung, den sie dann auch farbig zu Papier brachte. Dazu gehören Kultwesen wie der Tänzer. Er bewacht die geheimnisvolle Stelenwand und die dort festgehaltene Botschaft.

(Ritual)
Monotypie / Papier
40 x 25 cm
In dieser Schwarzweiß-Monotypie sind viele Motive angelegt, die Senta Minzlaff später farbig umgesetzt hat. Im Vordergrund tragen zwei Figuren, halb Tier, halb Mensch, einen Sitz mit einer kleinen hockenden Gestalt auf den Schultern. Rechts davon das wiedererkennbare Sonnenmotiv, umgeben von Ornamenten und Masken. Die Zeichnung ist mit sicherem und dem der Malerin typischen freien Strich aufgetragen. Motivisch weist der Glasdruck südamerikanische Einflüsse auf. Die Schwarzweißdarstellungen stehen am Beginn von Minzlaffs umfassender Beschäftigung mit praekolumbianischer Kunst und deren fantastischer Magie.
Das Dämonenkabinett, so titulierte Senta Minzlaff eine Werkgruppe, die sie in ihrer umfangreichen Einzelausstellung im Kunstkabinett am Schillertheater 1966 präsentierte. Diese basiert auf ihren Studien ethnologischer Kunst und Kultur, macht jedoch eine eigenständige Kategorie im Gesamtschaffen der Künstlerin aus. Denn hier verwandelte sich das Exotische, Dämonische, Kultische und Rituelle in unvergleichlich freie Malerei. Fantasietiere, Fratzen, Schamanen, die Zaubermixturen reichen, Götter und Geister bevölkern diese überwiegend dichtfarbigen halluzinatorischen Bilder. Eine Pracht, die sich der Künstlerin womöglich durch schamanische Erfahrungen auf ihren Abenteuerreisen nach Mexiko und Brasilien eröffnete. Ein Höhepunkt im Oeuvre von Senta Minzlaff!